Wie entwirft und plant man als Schriftsteller einen neuen Roman?
Zsuzsa Bánk als Gast am Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium Schwabach in der Reihe LesArt
Vor mehr als einhundert Schülern der gesamten Q 11 stellte Zsuzsa Bánk am 11.11.2011 ihren neuen Roman „Die hellen Tage“ vor. Bereits mit ihrem ersten Roman „Der Schwimmer“ hatte die Autorin großen Erfolg beim Lesepublikum und u.a. den aspekte-Literaturpreis und den Deutschen Bücherpreis erhalten. Auch die Neuerscheinung erntete großes Lob bei den Rezensenten, so war sie in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit den Worten gefeiert worden: „Ein Buch, dessen einziger Makel darin besteht, dass es irgendwann aufhört.“ Gespannt erwarteten die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe den Auftritt einer bedeutenden Autorin der Gegenwart.
Die Schriftstellerin las zunächst das erste Kapitel des sich langsam entfaltenden Romans, in dem die bewegende Geschichte der Freundschaft dreier Kinder erzählt wird, die anscheinend unbeschwert „helle Tage“ gemeinsam erleben. Doch im Laufe ihres Erwachsenwerdens werden alle drei mit der Gebrochenheit ihrer Existenz konfrontiert und sie müssen sich selbst und ihre Beziehung zueinander neu definieren. Auch die Mütter entwickeln allmählich über ihre Kinder eine ganz besondere Freundschaft. Dabei stehen die symbolträchtigen Namen der Mütter, Évi (Eva), Ellen (Helena) und Maria für deren im wahrsten Sinne des Wortes „Grund legende“ Bedeutung für ihre Kinder.
Besonders interessant wurde für die Schülerinnen und Schüler aber der zweite Teil der Veranstaltung, in dem Zsuzsa Bánk auf alle gestellten Fragen sehr präzis antwortete. So schilderte sie ausführlich ihre Arbeitsweise und auch die Belastung bei der Planung und beim Verfassen eines Romans, der immerhin mehr als 500 Seiten Umfang hat. Der erhebliche Druck auf die Schriftstellerin, wenn der Verlag zur Finanzierung des Schreibprozesses Vorschuss bezahlt hat, war für alle nachvollziehbar. Sehr anschaulich stellte die Autorin auch ihr schwieriges Verhältnis zu Ungarn dar, aus dem ihre Eltern nach dem Aufstand von 1956 nach Deutschland ins Exil gegangen waren. Die jahrzehntelange Unterdrückung der freien Meinungsäußerung habe heute noch Nachwirkungen und liege wie eine Dunstglocke über dem Land. Auch die Anfrage aus dem Publikum, ob die Autorin „auch spannende Sachen“ schreibe, wurde durchaus ernst genommen. Zsuzsa Bánk erläuterte, dass sie keine Genreliteratur wie Krimis oder Thriller schreibe, dass ihre Texte eher durch die Art und Weise der Erzählung überzeugen sollen als durch besonders sensationell aufgeladene Inhalte.
Insgesamt war die Lesung für die teilnehmenden Schüler und Lehrer ein ganz besonderes Erlebnis, da große Literatur unter ganz unterschiedlichen Aspekten und sehr persönlich und authentisch vorgestellt wurde.
I. Kretschmann
