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Fachschaft Latein

Herzlich willkommen auf den Seiten der Fachschaft Latein!

Warum soll man Latein lernen?

Die einfachste Antwort auf diese Frage könnte jetzt lauten: Weil es Spaß macht! Dass dies keine bloße Behauptung, sondern eine Tatsache ist, sehen wir an unseren Schülerinnen und Schülern jeden Tag aufs Neue. 

Es gibt allerdings viele weitere gute Gründe, die für die Sprache Latein sprechen: 

Latein lebt!

Manche Leute glauben, Latein sei zwar die Weltsprache im römischen Reich gewesen, man habe es im Mittelalter an Klöstern und Universitäten gesprochen, aber in der Neuzeit werde es allenfalls auf Medizinerkongressen und in der katholischen Kirche verwendet. In Wirklichkeit ist Latein auch heute noch eine wichtige, durchaus lebendige Sprache. Das sieht derjenige recht gut, der im Internet Radio Bremen besucht und die neuesten Nachrichten aus aller Welt auf Lateinisch präsentiert bekommt wie z. B. im Februar 2012: "Whitney Houston cantrix et actrix Americana quadraginta octo annos nata decessit." (Die amerikanische Sängerin und Schauspielerin Whitney Houston starb mit achtundvierzig Jahren).

Latein als Basis für andere Sprachen

Wenn man über die Bedeutung des Lateinischen sprechen will, lässt sich gut darauf verweisen, was einer der führenden Dolmetscher bei der Europäischen Kommission in Brüssel, Christian Heynold, zu den Referendaren unseres Hauses gesagt hat: „Meiner Erfahrung nach erleichtern Lateinkenntnisse das Erlernen weiterer moderner Sprachen, wie sie für jeden Europäer künftig wichtig sind, ganz erheblich."

 Kein Wunder, dass der Chefdolmetscher zu dieser Beurteilung kommt. Ist doch Latein die Muttersprache der romanischen Sprachen: Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und Rumänisch. Der Lateinkundige versteht ein  italienisches Schild am Gartentor „attenti al cane" (lat. attenti ad canem - Warnung vor dem Hunde) oder den portugiesischen Spruch in der brasilianischen Flagge „ordern e progresso" (lat. ordinem et progressionem - Ordnung und Fortschritt). Es entsteht, wie der Philologe und Journalist Peter Waiblinger in einem Aufsatz der SZ geschrieben hat, durch das Latein „ein enormer potenzieller Wortschatz", der dem Schüler hilft, unbekannte Wörter in einer romanischen Sprache zu verstehen. Dasselbe gilt für das Englische, auch wenn es keine romanische Sprache ist. Durch statistische Sprachuntersuchungen weiß man, dass ca. 60% des englischen Wortschatzes auf Latein zurückgeht. Es ist das Fundament, auf dem die anderen Sprachen aufbauen.

Latein im Studium

 Für eine Reihe von Studienfächern wie z. B. Germanistik, Geschichte, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Theologie, Archäologie, Kunstgeschichte im Hauptfach, Slawistik, Musikwissenschaft ist der Nachweis von Lateinkenntnissen, das große bzw. kleine LATINUM, Zulassungsvoraussetzung. Auch wenn das Latinum für Medizin an manchen Universitäten nicht verlangt wird - der Student muss dafür an einem zeitraubenden Terminologiekurs teilnehmen - so sind Lateinkenntnisse, die man einfacher am Gymnasium als an der Universität erwirbt, doch für das Studium von großem Nutzen. Dies gilt auch für Philosophie, Kulturwissenschaften und andere Gebiete. Der Abschluss eines Studiums mit dem Doktortitel (Promotion) ist ohne großes Latinum nicht möglich.

Lateinisches im Deutschen

Ein unmittelbar praktischer Nutzen des Lateinlernens besteht in dem Verständis vieler Fremdwörter. Das Deutsche hat rund 75% seiner Lehn- u. Fremdwörter aus dem Lateinischen übernommen. Psychologie, Politik, Pädagogik und Soziologie schöpfen förmlich aus dieser Sprache. Man schlage nur einmal die Tageszeitung auf: Da ist von multilateralen Beziehungen und Integration die Rede, von Validität und Kollateralschäden, von Konvergenzkriterien und dem Stabilitätspakt, Kompatibilität, Komplexität, Legislative, Motivation usw. Diese Liste könnte fast beliebig verlängert werden! - Selbst für den technischen Bereich bildet Latein eine unerschöpfliche Fundgrube: Das reicht vom Adapter und Prozessor über Video und Diskette bis zum Computer (computare lat. : zusammenrechnen).

Latein als Grundlage fundierter Allgemeinbildung

 Latein stellt außerdem eine besondere SCHULE DES DENKENS dar. Das ständige geistige Training fördert - ähnlich wie die Mathematik - analytisches und sprachlogisches Denken. Es schult Gedächtnis und Konzentration, führt in die Technik geistigen Arbeitens ein und erzielt somit eine gute Vorbereitung für jeden Beruf und jedes Studium. Wie wäre sonst das folgende Experiment in einem US-Bundesstaat zu erklären, wo 12-jährige 5 Monate lang jeden Tag 30 Minuten Lateinunterricht hatten und sich danach zeigte, dass diese Schüler auch in Mathematik und englischer Grammatik besser wurden und ihren Altersgenossen ohne Lateinausbildung voraus waren!

 Tatsächlich hat das Fach Latein einen besonderen allgemeinbildenden Wert. Es fördert das Geschichtsbewusstsein und weckt das Gespür für nationale und europäische kulturelle Kontinuität. Goethes „Hermann und Dorothea" erschließen sich einem ebensowenig wie Dantes „Göttliche Komödie" ohne die Kenntnis des vergilischen Epos. Shakespeares „Coriolan", Brechts „Geschäfte des Herrn Julius Caesar" oder Christa Wolfs Erzählung „Kassandra" versteht man eigentlich nicht ohne den antiken literarischen Hintergrund. Auch gewisse mythologische Kenntnisse gehören zur Allgemeinbildung: Ob es sich nun um das berühmte trojanische Pferd, die Tantalusqualen, oder das Damoklesschwert handelt, römische Dichter wie Vergil oder Ovid vermitteln uns diese „Stichwörter europäischer Kultur". Dazu zählen auch die bekannten historischen Zitate wie "den Rubikon überschreiten" oder Caesars knapper Siegeskommentar im Jahr 47 v. Chr.: „Veni,vidi,vici". Kaum eine zeitgenössische politische Karikatur kommt ohne das Bild der auf dem Stier reitende Europa aus, wenn Fragen zu gesamteuropäischen Themen erörtert werden. Diese und andere Mythen lernen die Schülerinnen und Schüler im Lateinunterricht kennen.

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