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Warum Latein ab Jahrgangsstufe 5?

Informationen für Eltern, deren Kind ans Gymnasium übertreten soll

Das Angebot, mit Latein in der 5. Klasse zu beginnen, gehört traditionell zum Profil des musischen Gymnasiums. Was gibt es in Latein als erste Fremdsprache für die Schüler zu entdecken? Welchen Nutzen hat der frühe Beginn mit Latein?

  • Latein ist in Jahrgangsstufe 5 das einzige für die Schüler völlig unbekannte Fach, etwas Fremdes, das die Lernenden erfahrungsgemäß schnell begeistert. Die Schüler bekommen z. B. Antwort auf die Fragen,was die Römer am liebsten gegessen haben, was sie für Haustiere hatten, sie erfahren, dass es das Mühlespiel schon bei den Römern gab, wie sie die heute noch sichtbaren Straßen, Thermen und Tempel bauten, sie lernen kennen, was in Pompeji passierte, als der Vesuv ausbrach,was die römische Wölfin mit dem trojanischen Pferd zu tun hat, woher der Name "musisches Gymnasium" kommt, wie Odysseus den einäugigen Riesen Polyphem überlistet - Motive, die in der europäischen Kunst und Literatur immer wieder auftauchen - warum Europa auf einem Stier sitzt, wenn sie auf einer griechischen 2-Euro-Münze erscheint, und vieles andere mehr. Diese Informationen entnehmen sie Schritt für Schritt lateinischen Texten ihres Lateinbuchs; dort ist kindgerecht und abwechslungsreich verpackt, was wir unter "geistige Grundlagen Europas" verstehen und was unumstritten zur Allgemeinbildung gehört.
  • Verblüfft sind die Schüler oft, wenn Sie sehen, dass sie täglich von der lateinischen Sprache umgeben sind: Latein ist Sprache der Werbung - wer hätte gewusst, dass der Markenname "Penatencreme" auf die römischen Hausgötter zurückgeht?
  • Latein lebt in den schier unendlich vielen Fremd- und Lehnwörtern der deutschen Sprache - die Schüler haben großes Interesse daran, aufzuschlüsseln, dass jemand, der ambulant ins Krankenhaus geht, sich nur vorübergehend dort aufhält (von ambulare spazieren gehen).
  • Dass Latein die Begriffe vieler Fachsprachen prägt, erleben die Schüler bald hautnah, wenn sie im Deutschen ein kausales Adverbiale bestimmen sollen (causa der Grund) oder verstehen können, dass hinter den mathematischen Begriffen Addition und Division nichts anderes steckt als einfache lateinische Verben.
  • Ganz nebenbei merken die Kinder auch, dass sie mit ihrem Latein einfache italienische Wörter und Sätze verstehen können, weil sie eine Basissprache lernen, die das Erlernen anderer Fremdsprachen wesentlich erleichtert.
  • Gerade den jüngeren Schülern kommt eine Eigenheit des Lateinischen besonders entgegen: Sie treffen auf eine klar gegliederte, logisch strukturierte Sprache, die sich Schritt für Schritt wie ein Baukastenkasten erlernen lässt; gerade die Gymnasialanfänger haben gern etwas, woran sie sich halten können, wollen genau wissen, ob etwas richtig oder falsch ist.
  • Auch ist Latein eine Sprache mit begrenztem Wortschatz – das verdankt sie zum einen dem Umstand, dass sie eine „tote Sprache“ ist, zum anderen dem neuen Lehrplan, der die Vokabelzahl für jedes Lernjahr deutlich verringert hat.
  • Unsere Schüler machen beim Lateinlernen aber auch die Erfahrung, dass einiges an Arbeit im Erlernen einer Sprache steckt - und das soll hier nicht verschwiegen werden, weil dies ein wesentlicher Beitrag ist, den Latein zur gymnasialen Bildung leisten kann: Man kann mit Latein hervorragend das Lernen lernen!

Der Lateinunterricht erzieht von Anfang an zu einer gymnasialen Arbeitshaltung, er fordert für das Lernen in allen Fächern gewinnbringende „Tugenden“:

  • Genauigkeit (es reicht nicht, einen Text nur oberflächlich zu erfassen; jeder Buchstabe ist wichtig)
  • Ausdauer, Geduld (kontinuierliches Üben und Wiederholen)

Verschiedene Techniken werden - auch in den Intensivierungsstunden - eingeübt:

  • Techniken des Vokabellernens / Merktechniken
  • Zeitenteilung bei Hausaufgaben, Schulaufgabenvorbereitung und Lernplanung
  • selbstständiger Umgang mit Übungsmaterialien
  • eigene Fehler erkennen und verbessern

Latein ist also in verschiedener Hinsicht Basisfach des Gymnasiums. Es ist ein durchaus ein wertvolles Angebot, diese Basissprache schon ab der 5. Klasse belegen zu können. Bei Latein als erster Fremdsprache haben die Schüler vier Jahre Zeit, um denselben Stoff zu erlernen wie Schüler mit Latein als 2. Fremdsprache in drei Jahren. Ab Jahrgangsstufe 9 gilt für beide Sprachengruppen derselbe Lehrplan. 

In Jahrgangsstufe 5 kann der Schüler ohne Konkurrenz einer anderen Fremdsprache konzentriert die Grundlagen dieses fremden Faches lernen und sofort für andere Fächer nutzbar machen, bevor Englisch in Jahrgangsstufe 6 wieder einsetzt; es ist der längere, aber sicher der behutsamere Weg zu Latein. Dass sich die Eltern von dieser Basisfunktion überzeugen lassen, zeigt die Tatsache, dass Latein als erste Fremdsprache sowohl bayern- als auch deutschlandweit im Zunehmen ist. 

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