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Theatermarathon 2015/2016

Auszug

Die Theatergruppe der Q11/12 begann den Aufführungsreigen des Schuljahres am 17. November mit ihrer Eigenproduktion „Auszug“, wobei Eigenproduktion in diesem Fall auch bedeutete, dass die Schüler selbstständig probten und Regie führten. Dies war von den Schülern so gewünscht und möglich, da sie nun schon jahrelang unter meiner und der Anleitung von Daniel Behringer arbeiteten. Somit stand ich diesmal lediglich beratend an der Seite der Schüler. Das Ergebnis war nicht weniger Lob wert, vor allem weil der Stückinhalt ihnen aus der Seele sprach:

Ein Koffer, ein Kleiderständer, Farbe, Schokolade und ganz viel Zeitungspapier- Inmitten dieser chaotischen Kulisse sitzt eine Person im weißen T-Shirt. Mit ihr auf der Bühne befinden sich ihre Erinnerungen: Auszüge und Momente aus ihrem bisherigen Leben. Von ihnen begleitet wagt die Person Stück für Stück einen Neuanfang, einen Auszug aus ihrer bekannten Umgebung. Dabei begegnet sie sich selbst in den verschiedensten Situationen ein zweites Mal - und stellt somit ihre Vergangenheit in Frage:

Was macht einen Moment besonders? Wie lange dauert ein Augenblick? Und was bedeutet er für mein weiteres Leben?

Ein sehr gelungenes Stück, das nicht nur die Zuschauer nachdenklich machte.

Impromatch gegen das AKG

Am 8. Dezember setzte sich der monatliche Aufführungsmarathon fort, diesmal am AKG. Die vermeintliche Konkurrenz der Schulen wurde zum wiederholten Male sportlich auf der Theaterbühne in einem heißen Kampf nach den Regeln des Improtheaters ausgetragen.

Gemeinsam wurden improvisiert sehr unterhaltsame Szenen in verschiedenen Spielen dargestellt. Hoch umjubelt war beispielsweise eine Szene um Chantal, einem Mädchen aus sozial benachteiligten Verhältnissen, die ein Verhältnis mit dem Vater ihrer Freundin hatte, bis sich herausstellte, das auch sie ein Verhältnis mit Chantals Vater hat. Das ganze Drama wurde absichtlich zu intim von einer RTL-Reporterin nahegebracht – Medienkritik zur besten Sendezeit, zumindest für diejenigen, die an diesem Abend im AKG waren und nicht vor der Glotze abhingen. Dafür spendeten die Zuschauer Applaus und einen Kuscheltierregen, lediglich der parteiische Schiedsrichter bekam die nassen Schwämme ab, was ja auch seine Aufgabe war. Eine grandiose Leistung beider Schulen. Bravo für diese Gemeinschaftsleistung.

Drachensxheiße

Am 25. Januar ließ das WEG dann die Puppen tanzen. Zwei Projektseminare (Kunst+Theater) arbeiteten ein Jahr gemeinsam zum Thema „Nibelungen als Figurentheaterprojekt“. Die Schüler stellten zunächst ihre Konzeptideen vor. Man einigte sich auf die Aktualisierung des Themas durch Figuren als Superhelden. Das Kunst-Seminar stellte die Figuren, Requisiten und Bühnenbilder her, das Theaterseminar erarbeitete die Handlungsideen, Texte, Charaktere und studierte die Szenen ein.

Anregungen holte man sich beim Figurentheaterfestival in Nürnberg, wo die Gruppe sich auch Tipps von zwei professionellen Puppenspielern der Produktion „Looking for Brunhild“ geben ließ. Interessanterweise hatten diese sich ein ähnliches Konzept zur Aktualisierung des Stoffs durch einen Erzähler und eine überlebende Zeitzeugin überlegt. Am WEG gaben zwei Erzählerpuppen (Opa und Enkelin) dem Stück seinen Rahmen, wobei der Opa ein Fan der mittelalterlichen Sage war und die Enkelin alles moderner und dadurch für sie verständlicher gespielt haben wollte. So kam es, dass nach dem Tod des Drachen, der im Pausenhof der Schule imposant Feuerfontänen spuckte, jeweils eine Superheldenfigur und ein menschlicher Superheld sich die Rollen teilten, weil die Erzähler stritten, dass sie beispielsweise die Enkelin Kriemhild blonder und mit einem rosa Kleid als zukünftige Frau von Superman Siegfried und diesen über 2 Meter groß und mit mehr Muskeln vorgestellt habe. So spielten dann in variierenden Paarungen Puppen und Schauspieler miteinander, was sehr reizvoll war, wie man anschließend vom zahlreich erschienenen Publikum hörte. Besonders die vor lauter Muskeln kaum noch bewegliche HULK-Figur, die den Bösewicht Hagen darstellte, brachte das Publikum zum Lachen mit seinen Posen, Kommentaren und vergeblichen Versuchen aus einem Becher mit Strohhalm zu trinken. Ebenso amüsant waren die Szenen mit der Domina Brünhild, die Gunther deutlich seine Grenzen aufzeigte, bis sie im Konsolenspiel als menschliche Figur gegen ihn, vertreten durch Siegfried im Tarnumhang, verlor. Beim Vollzug der Ehe zwischen beiden musste dann sogar die übergroße, von 5 Schülern gespielte Supermanfigur, und der menschliche Superheld gemeinsam über die lauthals kreischende Brünhild herfallen, da beiden Gunthers die Szene zu hart war, was auch für die Zuschauer die Gewalt abmilderte. Ein weiterer Höhepunkt war der dreifache Schluss, da der Opa seinen geliebten Siegfried nicht wie im Original sterben lassen, sondern ihn wieder auferstehen lassen wollte. Dies erreichte Kriemhild mit ihren gesanglichen Superkräften Superkräften. So fügten sich die 6 Teile Siegfrieds wieder zusammen, bevor jedoch die Enkelin einschritt und letztendlich doch alle abgemetzelt wurden, was auch nicht ohne eine gewisse Komik geschah, wenn beispielsweise die Puppenspielerin der Kriemhild zur Puppenspielerin Brünhilds sagt: „Nicht dein Ernst jetzt“, als diese Kriemhild erwürgt hatte und als letzter Lebender Gunther nahezu „ausversehen“ Brünhild den Kopf abreist. So schaffte es die Truppe den verstaubten Stoff kurzweilig und unterhaltend rüber zu bringen, wie eine Zuschauerin lobend feststellte. Wieder eine tolle Teamleistung, diesmal von den beiden P-Seminaren.


Fuchsalarm – Chicks run wild

Und weiter ging der monatliche Aufführungsmarathon jetzt im 2-Wochen-Takt am 15. Februar mit einer teils tiefgründigen, teils witzigen Eigenproduktion der Q12-Theatergruppe:

„Vielleicht ist es das, was wir lernen müssen, wenn wir erwachsen werden. Wir können nichts festhalten“ (DWH).

Abi machen, Kleider kaufen und dann auch noch die Alltagsprobleme lösen – das ist ganz schön viel verlangt. Zumindest sehen das Tinis Freunde so, als sie eine Notsitzung einberuft.

Das Drama beginnt mit den Vorbereitungen der Schülerinnen auf ihren Abiball. Bei einer Schülerin geht das Haarefärben schief, sodass sie alle ihre Freundinnen zu Hilfe ruft. „Immer dreht sich alles nur um euer Leben...“, meint Leni. Denn die hat gerade Liebeskummer. Die Reaktionen der unterschiedlichen Charaktere reichen vom Heulkrampf der Sitzengelassenen über Atemübungen der Umwelt- und Tierschützerin. Paulina spürt mit Hilfe von Mutter Natur immer sofort alle „negativen Vibes“. Eine umfangreiche Liste an Notfallplänen hat die bemutternde Überfreundin Sandy parat. Andere versinken im planlosen Alkoholchaos oder der Selfie-Welt eines It-Girls. Doch gemeinsam retten sie den Abiball, die Hühner der Tierschützerin vor dem bösen Fuchs und erleben dabei so einige witzige Dinge rund um Schule, Jungs und was sonst noch so wichtig ist. Dabei schwelgen sie immer wieder in Erinnerungen an die frühere Schulzeit, an wilde Partys …


Weltfabrik Mensch – Wieviel ist zu viel?

Wieder zwei Wochen später wurde am 3. März die nächste Eigenproduktion präsentiert:

Zu der Zeit Jesu Christi lebten 300 Millionen Menschen auf unserem Planeten. Heute sind es sieben Milliarden. Dies sind die ersten Worte des Buches „Noah“ von dem Autor Sebastian Fitzek - die Grundbasis dieses Stücks. Noah und Julie sind zwei Menschen von jenen sieben Milliarden auf dieser Erde. Ein erfolgreicher Geschäftsmann sowie Pharmazeut und eine junge, radikale Journalistin. Die von Tyra Webster und ihren Schülern/-innen herausgegriffenen Aspekte des Romans geben einen emotionalen Denkanstoß. An alle, an uns viel zu vielen Menschen. Der Weltfabrik Mensch. Denn sind wir nicht alle irgendwie gleich? Alle gleich ignorant, gleich verlogen und ist der eine in Wahrheit nicht ebenso geizig und grausam wie der andere? Durch abstrakte und gleichzeitig realitätsnahe Szenen wird klar, dass hinter Julie’s Absicht mehr steckt, als anfangs vermutetet und dass die Veränderungen eines Menschen alleine oftmals nicht reichen und selbst Liebe nicht die Lösung für alles ist. Das wohl wahre Tragikschauspiel lässt einen aus seinen eigenen Lügenerwachen und durchbricht die oft unausgesprochenen Barrieren der Gesellschaft. Durch das Darstellen von Gegensätzen, sowie grotesker Ernsthaftigkeit wird der Sinn unserer Lebensweise in Frage gestellt. Das Dasein eines Jeden ist unterschiedlich. Aber treffen uns das Spiegelbild der Welt und dessen Folgen nicht alle gleichermaßen? Die Wirtschaft, die Politik und nicht zu allerletzt wir Menschen sind für jene Hölle auf Erden hinter den Kulissen verantwortlich. Man sagt immer „Geld regiert die Welt“ - Aber regieren in Wahrheit nicht wir die Welt? In diesem Stück wurde klar Stellung bezogen und an die Moral sowie Verantwortung des Zuschauers appelliert. So kam denn auch vom Schwabacher Tagblatt ein „lautes Bravo“ für die Kritik am Establishment und dafür nicht hinnehmen zu wollen, dass die Erwachsenen der Jugend eine kaputte Welt hinterlassen wollen. Da das Stück so gut ankam, wurde es am 28. Juli noch einmal mit einem Teil der Mittelstufentheatergruppe wiederholt und die Spenden an die SOS-Kinderdörfer übergeben.

Zwischenspiele vor dem Endspiel

Nun war erst mal Schluss mit dem Aufführungsmarathon, zumindest für die Zuschauer und einige Schauspieler. In der Zwischenzeit gab es ein Musicaltraining von Laura Pfister, einer ehemaligen Schülerin, die nächstes Jahr ihren Abschluss als Musical-Darstellerin an der August Everding Akademie in München machen wird, bevor wir sie dann auf den Bühnen dieser Welt wiedersehen können. Ihr Abschlussstück, zusammen mit Lisa Rothhardt, einer anderen ehemaligen Schülerin, werden übrigens die Beteiligten des nächstes Schulmusicals, welches nächstes Jahr im Oktober aufgeführt wird, dieses Jahr im Herbst in München sehen dürfen. Dabei können dann alle mit Laura, Lisa und anderen Musical-Darstellern, Choreographen, Regisseuren, Bühnenbildnern, usw. über die gesehene Produktion reden und für unser Musical schon mal vorab dazulernen.

Für einen anderen ehemaligen Schüler und jetzigen Referendar an einem Gymnasium in Regensburg, Daniel Behringer, spielten einige Schüler noch erfolgreich vor Dozenten und Professoren im Experimentiertheater der Uni-Erlangen einen Teil des Traumkaleidoskops, welches letztes Schuljahr am WEG aufgeführt wurde. Hoffentlich dürfen wir nach dem Referendariat Daniel Behringer an unserer Schule willkommen heißen, damit er unsere Theaterarbeit und das Schulleben allgemein bereichern kann.

Vor dem Abschluss mit einem Theaterstück mit Flüchtlingen und dem Rest der Mittelstufentheatergruppe standen noch einige Proben an, nicht nur am Tag der offenen Tür, sondern an auch an zahlreichen anderen Schultagen und Wochenendterminen. Schließlich geht der Aufführungsmarathon ja nächstes Jahr weiter:

Literaturtage – Die Hexe von Schwabach – Unser Musical - ...

 

Impro

Auszug

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