⇐ Zurück

Das Studienseminar am WEG

OStD Dr. Kifmann, Seminarvorstand, Seminarlehrer für Schulrecht und Schulkunde
StD Günther Ponath, stellvertretender Seminar­vor­stand, Seminarlehrer für Geografie
StD Roland Kretzer, Seminarlehrer für Deutsch
StDin Maria Knepper, Seminarlehrerin für Englisch
StDin Angelika Karrer-Bauernfeind, Seminarlehrerin für Sport weibl.
StDin Annett Kroner, Seminarlehrerin für Sozialkunde und Grundfragen der staatsbürgerlichen Bildung
OStR Johannes Glenk, Seminarlehrer für Geschichte
OStRin Katrin Lindner, Seminarlehrerin für Psychologie
StD Robert Bauer, Seminarlehrer für Pädagogik

Am Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium werden seit vielen Jahrzehnten junge Referendare in verschiedenen Fächern zu vollwertigen Pädagogen ausgebildet. Der Seminarbetrieb beeinflusst teilweise erheblich den schulischen Alltag, z. B. wenn die Klassenverteilung für das nächste Schuljahr vorgenommen wird, wenn wir die Prüfungen zum Zweiten Staatsexamen durchführen oder wenn alle Referendare ihre Lehrproben ablegen müssen. Unsere langjährige Erfahrung ist die Grundlage dafür, dass es uns ausgesprochen erfolgreich gelingt, die unterschiedlichen Interessen zu berücksichtigen.

  • Schüler und Eltern legen verständlicherweise größten Wert darauf, dass möglichst nur Lehrkräfte unterrichten, die fachlich und didaktisch kompetent und methodisch auf der Höhe der Zeit sind. Natürlich sind sie auch daran interessiert, dass möglichst große personelle Kontinuität herrscht und allzu häufiger Lehrerwechsel vermieden wird.

  • Die Studienreferendare dürfen erwarten, dass ihre Ausbildung reibungslos abläuft und dass man ihnen das nötige Rüstzeug für einen höchst anspruchsvollen und gleichermaßen anstrengenden Beruf mit auf den Weg gibt.

  • Die an der Seminarausbildung beteiligten Lehrkräfte müssen dafür Sorge tragen, dass die jungen Kollegen die geforderten Kompetenzen entwickeln können. Dazu gehört unter anderem auch, dass sie in allen ihren Prüfungsfächern und in möglichst vielen unterschiedlichen Klassenstufen eingesetzt werden.

  • Das Kultusministerium als oberster Dienstherr ist bestrebt, Lücken in der Personalversorgung der Schulen nicht zuletzt durch gezielten Einsatz von Studienreferendaren auszufüllen.

Zum besseren Verständnis soll im Folgenden zunächst kurz der Ablauf des Vorbereitungsdienstes skizziert werden.

Referendariat an bayerischen Gymnasien

Allgemein bekannt sein dürfte die Tatsache, dass der Zugang zum Lehramt in Deutschland über eine zweiphasige Ausbildung erfolgt, wobei beide Phasen jeweils mit einem Staatsexamen abgeschlossen werden. Daran wird sich wohl auch in näherer Zukunft nichts Entscheidendes ändern, auch wenn die zum Lehramt führenden Studiengänge Zug um Zug modularisiert werden (Stichwort: Bachelor- und Masterstudiengänge). An das Studium an einer wissenschaftlichen Hochschule schließt sich ähnlich wie bei den Juristen eine praxisorientierte zweite Phase der Ausbildung an. Und dies ist eben der landläufig als Referendariat bezeichnete zwei Jahre umfassende Vorbereitungsdienst, der an speziellen Ausbildungsschulen, den Seminarschulen, abzuleisten ist, zu denen das Wolfram-von-Eschenbach- oder auch das Adam-Kraft-Gymnasium zählen. 81 der bayerischen Gymnasien (Stand 2012) sind mittlerweile zu Seminarschulen ausgewählt worden, denen die Verantwortung für die Ausbildung von Studienreferendaren übertragen wurde. Die Seminarausbildung in Bayern erfolgt in sogenannten Kleingruppenseminaren, die - je nach Fächerverbindung - kaum mehr als zehn Studienreferendare umfassen. Nur selten - und dies auch nur an ganz großen Schulen - übersteigt dabei die Gesamtzahl der Referendare an einer Seminarschule die Zahl dreißig.

Referendarsausbildung in drei Abschnitten: ein Erfolgsrezept

Diese zweite Stufe der Lehrerausbildung gliedert sich in drei Ausbildungsabschnitte. Die insgesamt zweijährige Ausbildung findet im ersten und im letzten Halbjahr jeweils an der Seminarschule statt. Am WEG befinden sich gegenwärtig im Winterhalbjahr 2012/2013 17 ReferendarInnen mit insgesamt sechs verschiedenen Unterrichtsfächern (Deutsch, Englisch, Geographie, Geschichte, Sozialkunde, Sport weiblich) im letzten Ausbildungsabschnitt ihres Vorbereitungsdienstes. Unmittelbar zuvor haben diese Referendare ein volles Jahr an einem anderen Gymnasium in Bayern unterrichtet, ihrer "Einsatzschule", an der sie umfangreiche praktische Erfahrungen gesammelt haben.

1. Ausbildungsabschnitt: Hineintasten in den Schulalltag

An unserer Schule, einer Seminarschule mit Beginn der Ausbildung im Februar, gestaltet sich der Ausbildungsbetrieb folgendermaßen: Nach dem Zwischenzeugnistermin Mitte Februar treten die neu ernannten Studienreferendare ihren Dienst an. Die nun folgende Ausbildung besteht aus mehreren Komponenten. Zum Kernprogramm gehört selbstverständlich die Vermittlung fachdidaktischer und methodischer Kompetenzen im Rahmen wöchentlich stattfindender Fachsitzungen in den beiden Unterrichtsfächern. Daneben gibt es Seminare in Schulkunde und Schulrecht, in Pädagogik und pädagogischer Psychologie sowie in Grundfragen der staatsbürgerlichen Bildung. Den Unterricht erleben die jungen Kolleginnen und Kollegen in den ersten Wochen in Form von Hospitationen bei ihren jeweiligen Fachseminarlehrern, später auch bei anderen Kollegen am WEG. Sie erhalten auf diese Art und Weise einen optimalen Überblick über die verschiedenen Unterrichtsmethoden und Arbeitstechniken. In dieser Phase ergeben sich somit auch die ersten Schnittpunkte zwischen Seminarausbildung und normalem Schulbetrieb. Unsere Schüler nehmen die Studienreferendare zunächst also als Gäste in ihrer Klasse wahr.

Nach einigen Wochen beginnt dann die Phase der Lehrversuche: Die Referendare übernehmen einzelne - noch gemeinsam mit dem Seminarlehrer vorbereitete - Unterrichtsstunden, bevor dann in der Regel nach den Osterferien die Zeit beginnt, in der sie das erste Mal ganz alleine vor ihren Klassen stehen. In dieser sich bis zu den Sommerferien erstreckenden Phase des "zusammenhängenden Unterrichts" übernehmen die Studienreferendare in jedem ihrer Unterrichtsfächer jeweils eine Klasse entweder von den Seminarlehrern oder bei entsprechender Seminargröße auch von anderen Kollegen, die dann in diesem Fall als Betreuungslehrer fungieren und die Seminarlehrer bei der Ausbildung unterstützen. Nimmt man beispielsweise das derzeitige Seminar mit insgesamt 17 Referendaren als Grundlage, so ergibt sich bei Zweifächerverbindungen ein Bedarf von 34 Klassen für den Seminareinsatz, der sich im Fall von Referendaren mit einem dritten Fach, dem sogenannten Erweiterungsfach, noch erhöht. Das Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium legt - bereits bei der langfristen Vorplanung - besonders großen Wert darauf, dass keine Klasse über Gebühr vom Seminareinsatz betroffen ist. Auch setzt das Direktorat alles daran, disziplinär auffällige Klassen in den Händen von älteren, erfahrenen Kollegen zu belassen. Ebenso vermeiden wir es, unsere neuen Fünftklässler in den beiden Hauptfächern für den Seminarbetrieb heranzuziehen. Besonders stolz sind wir auf eine - in unseren Augen sehr vorteilhafte - Weichenstellung, bei der wir viele unserer Klassen in den beiden Hauptfächern Deutsch und Englisch teilen und den nun 12 - 15 SchülerInnen starken Gruppen jeweils einen Referendar zuteilen. Auf diese Weise gelingt es uns, kleinere Lerngruppen zu schaffen, die intensiver arbeiten können, individueller gefördert und direkter betreut werden können, als dies jemals im regulären Unterricht der Fall sein könnte. Aufgrund der engen Führung und Betreuung durch die Seminarlehrer wachsen auch die ReferendarInnen mit geringeren Schwierigkeiten in den pädagogischen Alltag an einem Gymnasium hinein und lernen schnell das Handwerkszeug für gutes Unterrichten. Man erkennt bereits zu diesem frühen Zeitpunkt, wie viele der ReferendarInnen z. B. mit ausgezeichneten Fremdsprachenkenntnissen von der Uni kommen oder über Medien- und Methodenkompetenz verfügen, die bei älteren Kollegen an einer Schule mit gemischtem Kollegium oft nicht in dem Maße vorhanden sind. Verpflichtende Auslandsaufhalte oder Seminare zur Medien- und Methodenkompetenz an den Unis schaffen heute eine wesentlich belastbarere Grundlage für den Einsatz am Gymnasium als noch vor einigen Jahren. Aufbauend auf diesem wissenschaftlichen Fundament bemühen sich die Seminarlehrer nach Kräften, auch die pädagogischen Fähigkeiten der jungen KollegInnen zu fördern und weiter zu entwickeln.

Zweigschuleinsatz: Sammeln von Erfahrungen

Mit Beginn des folgenden Schuljahres treten die Referendare dann ihren ein ganzes Jahr dauernden zweiten Ausbildungsabschnitt an einem anderen Gymnasium, ihrer so genannten Einsatzschule, an. Dort erteilen sie eigenverantwortlich Unterricht und werden dabei von Schülern, Eltern und Kollegen zumeist als ganz "normale" Lehrer wahrgenommen. Lediglich zu vier Seminarveranstaltungen (zwei davon dreitägig, zwei weitere zweitägig) kommen sie während dieses Jahres an ihre Stammschule, halten im Übrigen aber per E-Mail und Telefon engen Kontakt zu ihren Seminarlehrern.

3. Ausbildungsabschnitt: Das Referendariat wird mit dem 2. Staatsexamen abgeschlossen

Für das Oberseminar, das sein Einsatzjahr bereits hinter sich gebracht hat, beginnt im September der arbeitsintensive dritte Ausbildungsabschnitt, der im Dezember mit dem Zweiten Staatsexamen abgeschlossen wird. Erneut versucht das WEG durch Klassenteilungen und gleichmäßige Verteilung der ReferendarInnen auf möglichst viele verschiedene Klassen und Jahrgangsstufen die vermeintliche Belastung in einen Vorteil umzumünzen. Wir empfinden es übereinstimmend als Gewinn für unsere SchülerInnen, wenn junge Lehrkräfte, die inszwischen über knapp zwei Jahre an beruflicher (pädagogischer) Erfahrung verfügen, mit großem Engagement und bester didaktischer Ausbildung im "Handgepäck" auf Klassen treffen, die - in den Hauptfächern - oft nur noch aus 12 - 15 SchülerInnen bestehen,
sodass z. B. die sprachliche Förderung der Kinder hier wesentlich intensiver erfolgen kann.

Als Beitrag zum Abbau des durch andere Maßnahmen offenbar nicht zu behebenden allgemeinen Lehrermangels verlangt das Kultusministerium seit einigen Jahren von allen Seminarschulen, dass die Referendare in dieser letzten Ausbildungsphase, die ja eigentlich ganz unter dem Vorzeichen der Vervollkommnung der didaktischen und methodischen Kompetenzen stehen sollte, einen Teil ihres Unterrichts eigenverantwortlich erteilen müssen, was bedeutet, dass ihnen für den Unterricht in diesen Klassen keine Betreuungslehrer zur Seite stehen. Dies ist leider auch im laufenden Schuljahr aus finanzpolitischen Gründen wieder der Fall. Hier übernehmen dann die Fachbetreuer für die einzelnen Fachschaften die Aufsicht.

Im Laufe eines Schuljahres treten also an unserer Schule drei verschiedene Seminare in Erscheinung: von September bis Februar ein Oberseminar im letzten Ausbildungsabschnitt, von Februar bis Juli ein Seminar im ersten Abschnitt und zusätzlich während des ganzen Jahres - allerdings nur zu den vier Seminartagen - das Seminar im Einsatzschuljahr.

Junge, gut ausgebildete Referendare im Einsatz: Ein großes Plus für jede Schule

Wir sind glücklich über die Situation, an unserem Gymnasium ReferendarInnen ausbilden zu dürfen. Seit vielen Jahrzehnten ist der Seminarbetrieb nicht nur ein zusätzlicher Bestandteil unseres Schullebens, sondern vielmehr weit darüber hinaus ein befruchtendes Element für die pädagogische und didaktische Entwicklung am WEG. Wie sehr uns die Verzahnung von Seminararbeit und regulärem Schulbetrieb gelingt, mag man der Tatsache entnehmen, dass eine ganze Reihe von unseren Stammlehrkräften in den letzten Jahren direkt nach Ende des Referendariats vom WEG übernommen wurden, hier eine Planstelle bekamen und fortan mit ihren im Seminarbetrieb erworbenen Fertigkeiten sehr erfolgreich weiter arbeiteten.

Folgende Vorteile sehen wir in unserem Seminarbetrieb:

  • Wie alle übrigen Lehrkräfte an einem Gymnasium sind Studienreferendare Vollakademiker mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium und verfügen gerade heute über eine moderne wissenschaftliche Grundlage, die ihnen an den Universitäten mitgegeben wird. Sie bringen wertvolle Impulse aus ihren Medien- und Methodenseminaren an den Unis mit an die Schule und geben diese dann an ihre Schüler weiter. Gerade im multimedialen Zeitalter sind unsere ReferendarInnen gegenüber einer Reihe von etablierten Kollegen hinsichtlich ihrer Medienkompetenz, Sprachkompetenz, der Bandbreite ihres Methodenrepertoires oder des Angebots attraktiver Sportarten im Vorteil.

  • Studienreferendare erfüllen somit eine wichtige Mittlerfunktion, indem sie den aktuellen Forschungsstand aus den Universitäten in die etablierten Lehrerkollegien tragen und dort vielfach für Anregungen und Impulse sorgen, die das gesamte Schulleben bereichern.

  • Bei Studienreferendaren handelt es sich in aller Regel um hoch motivierte junge Kollegen, die von allmählichen Abnutzungserscheinungen bis hin zum Burn-Out-Syndrom noch völlig unberührt sind.

  • Studienreferendare bereiten ihren Unterricht mit einer Intensität und einem Engagement vor, wie sie dies in ihrem späteren Berufsleben aufgrund der ungleich höheren Unterrichtsverpflichtung nie wieder werden leisten können. Dieser Mehraufwand kommt in erster Linie unseren SchülerInnen zugute, so dass die ganze Schulfamilie davon profitiert.

  • Seminar- und Betreuungslehrer unterstützen sie dabei nach Kräften, wirken erforderlichenfalls aber auch als Korrektiv, da angehende Lehrer natürlich noch nicht über die pädagogische Erfahrung eines "alten Hasen", also etwa eines Stammlehrers am WEG mit 30-jähriger Berufserfahrung verfügen können.

  • Während des ersten Ausbildungsabschnitts liegt die volle Verantwortung für die Einhaltung des Lehrplans und die Notenvergabe ausschließlich bei den Seminar- bzw. Betreuungslehrern. Dies gilt auch für den 3. Ausbildungsabschnitt, solange die Referendare hier keinen eigenverantwortlichen Unterricht erteilen müssen.

  • Studienreferendare sind grundsätzlich innovativ und bringen den Mut auf, ausgetretene pädagogische Pfade zu verlassen.

  • Ein ein- oder gar zweimaliger Wechsel der Lehrkraft innerhalb eines Schuljahres mag zweifellos für einzelne Schüler belastend wirken und die Kontinuität von Lernprozessen stören. Viel häufiger jedoch wirkt sich ein solcher Wechsel wohltuend und leistungssteigernd auf die Schüler aus und wird von vielen als neue Chance empfunden, gerade auch, wenn sie mit einer der etablierten Lehrkräfte einmal nicht so gut zurechtkommen.

  • Aufgrund des geringeren Altersunterschieds sind Studienreferendare ihren Schülern häufig näher als ältere Lehrkräfte.

  • Fast immer sind Studienreferendare bereit, sich flexibel und verständnisvoll auf besondere Gegebenheiten ihrer Schüler und Klassen einzulassen. Es gilt lediglich, diese Angebote wahrzunehmen.

  • Latente Ängste, die Schüler könnten im Unterricht von Studienreferendaren Falsches lernen oder methodisch unzureichend unterrichtet werden, sind in aller Regel unbegründet. Es versteht sich aber von selbst, dass die jungen Kollegen auch Gelegenheit haben müssen, sich unbeobachtet zu entfalten und auch einmal Neues auszuprobieren, wozu sie von den Seminarlehrern ermuntert werden.

Wir sind überzeugt davon, dass die Möglichkeit, junge Referendare am WEG auszubilden und sie zur Bewältigung des oft Kräfte zehrenden Schulalltags zu befähigen, eine wertvolle Bereicherung des Schullebens darstellt. Auch viele unserer Schüler und Klassen zeigen sich dem Seminarbetrieb gegenüber sehr aufgeschlossen, gerade wenn nach einer Reihe von Lehrversuchen im März oder April lebhafte Diskussionen geführt werden, welcher Referendar seine Sache jetzt wohl am besten gemacht habe und wen sie sich als künftige Lehrkraft wünschten. Mit Schmunzeln registrieren wir Seminarlehrer auch immer wieder die Reaktion ganzer Klassen oder Kurse nach dem gelungenen Ende eines 45-minütigen Lehrversuchs, wenn die Schüler der erlebten Referendarsleistung durch spontanen Applaus (fachmännisch) Beifall zollen.

 

 

Günther Ponath, StD
Stellvertretender Seminarvorstand


⇐ Zurück
⇑ Nach oben