Verstaubtes - Wir über uns

Der Gong dröhnt, Schulschluss. Normalerweise käme jetzt das große Stühlerücken, doch Thilo und Flo rühren sich nicht vom Fleck, gebannt starren die beiden auf den Bildschirm. Kein Wunder, so kurz vor dem Durchbruch. Drei Wochen lang haben sie gegrübelt, getüftelt und Bill Gates, den Erfinder von "Windows", verflucht, alles vergebens. Jetzt ist es endlich so weit, ihre Diashow läuft! Thilo und Flo gehören zum team.jpg (11112 bytes) Online-Team des Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasiums in Schwabach. Im Gegensatz zu den meisten Schulen, die im Netz sind, wird hier die Homepage von den Schülern selbst entwickelt. Die nötigen Kenntnisse lernen die Jungen und Mädchen im Wahlfach Informatik. "Die große Online-Welle hat Lehrer wie Schüler ziemlich überrollt", meint Kursleiter Manfred Röhrl. "Erst waren die finanziellen Möglichkeiten nicht da, und wenn sie gegeben waren, fehlten die Kenntnisse."

Viele Schulen lösten das Problem, indem sich engagierte Computerfans aus der Lehrerschaft, häufig in Zusammenarbeit mit lokalen Computerfirmen, ans Programmieren machten. "Wir dachten, das ist nicht der Sinn der Sache, und haben uns zur Aufgabe gemacht, eine Homepage aufzubauen, die von Schülerideen geprägt ist", erklärt Herr Röhrl, der eigentlich Biologie und Chemie unterrichtet. In die Informatik hat er sich selbst eingelernt, ist "aus eigenem Interesse reingerutscht."

Am Anfang nur tippen

Wie die jungen Computer-Cracks, die er seit drei Jahren in seinen Kursen um sich schart. Profis? Simone und Larissa, beide von Anfang an dabei, schütteln die Köpfe. "Ich konnte anfangs nur tippen", sagt Simone, "alles andere lernt man dann schon!" Heute haben die Mädchen die Aufgabe, eine Laufschrift für aktuelle Termine und Meldungen zu entwickeln. Max, der Kleinste im Kurs, arbeitet sich in die Wiedergabe von Musik ein. Routiniert zaubert er eine Stereoanlage auf den Bildschirm, dann ein Tonband, legt die CD der Schul-Big-Band ein. Kopfhörer auf, und los geht's. Thilo und Flo brüten an ihrer Diashow, Achmed und Maximilian wollen das Inhaltsverzeichnis moderner gestalten. Und wer entscheidet letztendlich, wie die Seiten aussehen? "Eigentlich haben wir das Sagen", sagt Simone selbstbewusst, "es ist ja unsere Schule! max.jpg (7723 bytes)

thilo1.gif (4093 bytes) So viele kreative Köpfe auf einen Haufen - da bleibt es nicht aus, dass manchmal heftig diskutiert wird. "Wir haben lange gebraucht, bis wir einen Hintergrund gefunden haben", berichtet Kursleiter Herr Röhrl. "Quietschblau hatten wir schon, gelb, rosa", zählt Larissa auf, "das kam alles nicht sonderlich gut." Jetzt ist die Homepage beige, mit Notenblättern unterlegt - immerhin ist das WEG eine musische Schule. "Man könnte schon noch was ändern", meint Simone selbstkritisch. "Aber wenn's zu bunt wird, ist man mit der Schrift so eingeschränkt, da kann man nur noch schwarz drauflegen." Was nicht heißt, dass die Entscheidung endgültig ist, schließlich werden die Seiten laufend überarbeitet.

Schulansichten

Derzeit sind unter dem Stichpunkt "Unsere Schule" Ansichten von allen Seiten, Pausenhof und Garten zu sehen. Die Bilder stammen vom Fotokurs, demnächst sollen Filmszenen von der Videogruppe dazu kommen. Hinter "Aktuelles" verbirgt sich ein Terminkalender mit Konzerten, Studienfahrten, Bigband-Austausch, Elternabend, Info- und Seminartagen. Auch Schüler-zeitung und Jahresbericht sind im Netz, mit einer Bandbreite, die von Glossen, Gedichten bis zu Buchtipps reicht. Außerdem gibt es u.a. einen witzigen "Wolframs-Test" zum Kniffeln, Links zu Bibliotheken und Zeitungen, anderen Schulen und Schülerzeitungen. Die Raffinessen entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Etwa, wenn man mit der Maus übers Luftbild der Schule fährt. Dann tauchen immer wieder kleine Händchen auf - Symbole dafür, dass man mit einem Klick Nahaufnahmen bekommt. Und beim Biotop sogar Ton: Man hört die Frösche quaken und im Hintergrund, wo im wirklichen Leben die Übungsräume sind, leise Musik. In erster Linie sind solche Einblicke für "Leute von außen" gedacht, sagt Larissa. "Zum Beispiel für 6rund- und Hauptschüler, die aufs Gymnasium wechseln möchten." Und Simone erzählt: "Wir haben eine E-Mail aus Kanada bekommen, von einem, der mal auf der Schule war. Der war total begeistert!" Klar, dass die Online-Experten selbst gern im Internet surfen. "Die Seiten für Schulaufgaben sind interessant", verrät Max, "oder fertige Referate..." Simone nimmt sich auch mal Arbeit für die Homepage mit nach Hause. Wie die anderen rechnet sie damit, dass ihr die Computer-Kenntnisse später mal nützlich sind: "Man braucht's sowieso, und wenn es nur Tabellenkalkulation oder Schreibprogramme sind." Aber das Hobby zum Beruf machen und "Webdesigner" werden, davon träumt vorerst keine(r) aus dem Kurs. "Zu stressig!", meinen die Nachwuchs-Programmierer.

Programmfehler

Weil man immer wieder von unvorhersehbaren Problemen aufgehalten wird. "Es ist oft ganz schön nervig", meint Simone, "bis endlich mal was klappt - aber wenn, ist es umso schöner." Wie bei der Diashow, die Flo und Thilo allmählich in den Griff kriegen. Simone und Larissa dagegen sind mit ihrer Laufschrift an einem Programmfehler gescheitert. Nun schicken sie eine E-Mail an den Entwickler und bitten um Hilfe. Es nutzt ja nix, den Computer zu verfluchen. "Dann eher schon den Bill Gates", grinst Flo

Fit fürs Netz -darauf kommt's an:

Erste Voraussetzung ist, einen Lehrer zu finden, der das Ganze betreut und organisatorische Dinge regelt. Ihr solltet bereit sein, eigenständig zu arbeiten und Probleme selbst zu lösen - sonst kommt man nicht weit.

Überlegt euch, was die Internetseiten bieten sollen, 13 Ansichten von außen und innen, Geschichte der Schule, Fächer und Kurswahl, Termine wie Lehrersprechstunden, Veranstaltungen, Klassenfahrten, Aktions- und Wandertage, spezielle Angebote wie Fotokurs, Video- oder Theatergruppe. Am besten schaut ihr euch mal Homepages anderer Schulen an, um Anregungen zu bekommen.

Finanzierung läuft übers bundesweite Projekt "Schulen ans Netz", außerdem räumen viele Firmen Sonderkonditionen ein.