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„Faszination und Gewalt“: Besuch des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg

„Faszination und Gewalt“: Besuch des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts besuchten die Klassen 9a und 9c unseres Gymnasiums mit ihren Geschichtslehrkräften das ehemalige Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Ziel der Exkursion war es, sich intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen und Geschichte an einem authentischen Lernort zu erleben.
Während der fachkundigen Führung über das weitläufige Gelände erfuhren die Schülerinnen und Schüler, welche Bedeutung Nürnberg während der Zeit des Nationalsozialismus hatte und warum die Nationalsozialisten die Stadt als zentralen Ort ihrer Propaganda auswählten. Besonders eindrucksvoll war die Besichtigung der Kongresshalle, deren monumentale Architektur bis heute die Größenideologie des NS-Regimes verdeutlicht, gleichzeitig aber auch die davon ausgehende Faszination für damalige Besucher der Propagandaveranstaltung erahnen lässt.
Die meisten geplanten Bauwerke auf dem Reichsparteitagsgelände sind nicht fertiggestellt worden. Aber schon die Planungen und noch viel mehr die vorhandenen Überreste zeigen, wie hier die NS-Ideologie architektonisch Ausdruck finden sollte. Insofern bedeutete die bewusste Begegnung mit der Architektur auch eine Auseinandersetzung mit den Auswirkungen von Diktatur und Vereinnahmung in der Zeit des sog. „Dritten Reichs“. Die beeindruckende Selbstinszenierung darf nicht Ausgrenzung, Ausbeutung, Leid und Gewalt vergessen lassen, sondern muss unseren Blick und die geschichtliche Erinnerung insgesamt vielmehr gerade darauf lenken.
Somit stellte die Exkursion eine wertvolle Ergänzung zum Geschichtsunterricht dar. Die Nutzung des Innenhofs der Kongresshalle für den Bau der Ausweichspielstätte der Nürnberger Oper regte Überlegungen und Diskussionen zum Umgang mit dem NS-Erbe an, die auch im folgenden Unterricht thematisiert werden konnten. Im Hinblick auf die heutige und künftige Nutzung des Geländes und der vorhandenen Bauten wurde von den meisten Schülerinnen und Schülern betont, wie wichtig es sei, dass die historische Bedeutung des Ortes sichtbar bleibt. Der Ort der „Täter“ solle weiter ein Ort der Erinnerung an die Gefahren der Verführbarkeit durch Propaganda und die Verbrechen des Nationalsozialismus, ein Ort der Bildung und der demokratischen Auseinandersetzung bleiben.
Vinzenz Newzella, Johannes Glenk

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