Sitz-Plätze gegen Antisemitismus

Schwabach / Nürnberg. Schon seit 2018 führt der 1. FC Nürnberg zusammen mit dem deutsch-jüdischen Sportverein TSV Maccabi Nürnberg unter dem Motto „Fußball trifft auf Geschichte“ kurz vor den Sommerferien den Jenö-Konrad-Cup durch, um geschichtliches Wissen zu vermitteln und sportliche Begegnungen bei einem Fußballturnier am Vereinsgelände des 1. FCN zu ermöglichen. Gemeinsam sollen Werte wie Respekt und Einsicht transportiert und Vorurteile abgebaut und ein starkes Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit gesetzt werden. Ausgangspunkt dafür ist die Biografie des ehemaligen Club-Trainers Jenö Konrad (1930 bis 1932), der aufgrund der Hetze in Julius Streichers antisemitischer Wochenzeitung „Der Stürmer“ in einer Augustnacht 1932 aus Nürnberg floh und seine Mannschaft zurücklassen musste. (Weitere Informationen unter https://www.clubgeschichte.de/jenoe-konrad-cup/)
Im zweiten Halbjahr des Schuljahres 2024/25 erhielten die damaligen 9. Klassen des Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasiums einen Vortrag über Jenö Konrad vom Clubhistoriker Bernd Siegler und lernten in der Synagoge der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg deren Rabbiner und den Vorstand von Maccabi Nürnberg kennen (das Schwabacher Tagblatt berichtete).
Zum Fußballturnier qualifizieren sich gemischte Teams aus Mädchen und Jungen jeweils über eine Projektarbeit zum Thema „Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit“. Als Beitrag der 9. Klassen des Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasiums wollten die Schülerinnen und Schüler ganz wortwörtlich Orte bieten, an denen Menschen Platz nehmen und ins Gespräch kommen können – Sitz-Plätze zum kulturellen Austausch, Orte der Erinnerung, der Mahnung und des Miteinanders: Jede Klasse bemalte eine breite Holzbank und die drei dabei entstandenen „Gebrauchskunstwerke“ stehen inzwischen beim 1. FCN, bei Maccabi Nürnberg und am WEG selbst. Auf der Bank beim 1.FCN heißt es: „Kicken gegen Antisemitismus #Fußball trifft Geschichte“, beim deutsch-jüdischen Sportverein ist „Kein Platz für Antisemitismus – Platz für Toleranz“. Die Bank im Pausenhof des WEG zeigt die bekannten Persönlichkeiten Margot Friedländer, Anne Frank, Oskar Schindler und Dietrich Bonhoeffer mit Zitaten, z.B. „Es gibt nur menschliches Blut“. Auf den Bänken soll Platz für Menschen sein, die Courage zeigen für eine Gesellschaft, in der alle willkommen sind und die gleichen Rechte haben, in der man sich einsetzt gegen Antisemitismus, Rassismus und andere Formen der Diskriminierung im Sinne des „Nie wieder!“
Jetzt im Herbst, zu Beginn des neuen Schuljahres, dürfen alle Beteiligten und auch die Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen, die das WEG beim dazugehörigen Fußballturnier am Valznerweiher vertreten haben, kostenlos ein Heimspiel des 1. FCN besuchen.
Text: Hannes Koch / Jörg Weese / 1. FC Nürnberg e.V. – Fotos: Hannes Koch












