top of page

Die neunten Klassen in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Die neunten Klassen in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Flossenbürg – eine Erfahrung, die bleibt

„Das was in der NS-Zeit passiert ist, darf nie wieder passieren!“ Eine Forderung, mit der wir immer wieder konfrontiert werden. Doch 80 Jahre sind eine lange Zeit und nur durch Erzählungen ist es schwer, sich die unmenschliche Brutalität der Ereignisse vorzustellen. Auch deshalb sind alle neunten Klassen in Bayern dazu verpflichtet, ein Konzentrationslager zu besuchen.
Darunter vorgestellt haben wir uns zwar eine bedrückende Atmosphäre, jedoch konnten wir uns vorerst kein genaueres Bild malen.
Doch nach unserer Ankunft hat die Realität uns eingeholt: Trotz des an diesem Tag warmen Wetters besitzt die Gedenkstätte eine eiskalte Ausstrahlung, obwohl nicht mehr viel von der Anlage steht. Die noch bestehenden Gebäude und deren Geschichte hat uns der Rundgangsleiter Herr Beer sehr anschaulich nahegebracht, wobei er genau auf jede Frage eingegangen ist und das Geschehen immer wieder auch auf unsere gegenwärtige politische Situation bezogen hat. Nach und nach wurden die Erzählungen immer bedrückender, Erzählungen von unschuldigen, friedliebenden Menschen, die bis in den Tod hinein misshandelt, vergewaltigt und zu Schwerstarbeit gezwungen wurden. Schon bei ihrer Ankunft, wie Herr Beer uns erklärt hat, wurde den Häftlingen aller Besitz abgenommen und sie wurden ihrer Individualität beraubt - von den Haaren bis zum eigenen Namen, was sie vollkommen entmenschlichte, bis sie nur noch Nummern waren. Durch die extrem harte Arbeit, das nie ausreichende Essen sowie das Gefühl, ein Niemand zu sein, verstummten die Gefühle und eine Taubheit erfüllte die inhaftierten Menschen, sodass bald das einzige Ziel nur noch das Sichern der Existenz, das bloße Überleben war. Genau diese Atmosphäre überzieht in unserer Wahrnehmung den Ort und löst in uns ein tiefes Mitgefühl für diese unschuldigen Meschen aus. Zudem ist uns in der Ausstellung, wo Aussagen von Zeitzeugen präsentiert werden, eine sehr einprägsame Erfahrung geschildert worden, dass nämlich sogar nach der Befreiung des Konzentrationslagers die Inhaftierten mental niemals wieder ganz „frei“ von diesem schrecklichen Ort geworden seien.
Fest steht, dass die Gedenkstätte einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Wir können zwar niemals in irgendeiner Weise „gut machen“, was damals passiert ist, jedoch können wir den Menschen, die dort gelitten haben, mit einem Besuch unseren Respekt entgegenbringen. Wir haben das Glück in einer Demokratie zu leben, wo wir unsere Zukunft selbst bestimmen können. Deswegen lasst uns nicht vergessen, was passieren kann, wenn man die Würde und den Wert bestimmter Menschengruppen missachtet und mit Füßen tritt!

Anastasia Sommer und Elena Vavvas, Klasse 9a


Extreme Ideologien führen zur Entmenschlichung des Unterlegenen –
Ein Besuch der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Zur Aufklärung gegen Antisemitismus besucht das WEG jedes Jahr die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg. Dieses Jahr fuhr am 27.02.2026 die gesamte 9. Jahrgangsstufe zur Gedenkstätte.
Viele von uns wussten bereits aus familiären Berichten, aus den Medien oder auch aus dem Geschichtsunterricht von den brutalen und grausamen Verhältnissen in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten. Deshalb fuhren wir auch mit sehr gemischten Gefühlen los und wussten nicht so recht, was uns erwartete. Wie würde wohl das Gefühl sein, an einem Ort zu stehen, an dem so viele Menschen sterben mussten?
Als wir an der Gedenkstätte ankamen, fielen uns sofort die aufgereihten Umrisse der Häftlingsbaracken ins Auge. Aufgrund der damaligen katastrophalen hygienischen Verhältnisse konnten die heruntergekommenen Holzbaracken nicht erhalten werden. Sie wurden nach dem Krieg abgerissen. Eine Baracke von 50 auf 8 Meter Fläche war ursprünglich für 250 Häftlinge geplant. Letztendlich wurden ca. 1.000 Menschen in jeder von ihnen „untergebracht“, was ein Leben auf engstem Raum ohne Privatsphäre unter schlimmsten Umständen bedeutete. Neben den Baracken gab es einen separaten Hinrichtungshof.
Das Konzentrationslager Flossenbürg wurde 1938 in der Oberpfalz errichtet und diente vor allem der Ausbeutung und Tötung von Häftlingen durch Zwangsarbeit im nahegelegenen Granitsteinbruch. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug ungefähr ein halbes Jahr. Tote wurden schließlich in einem Krematorium verbrannt. Das Lager verfügte über sechs Wachtürme, von denen noch drei zu besichtigen sind. In den im Original erhaltenen Gebäude der Wäscherei und Küche befinden sich jetzt Ausstellungen, insbesondere zu Biographien einzelner Häftlinge. Im Keller der Wäscherei kann man immer noch den Duschraum für die Gefangenen sehen, in dem die Insassen unter eiskaltem Wasser gequält wurden.
Mehr als 100.000 Menschen aus über 30 Nationen waren hier inhaftiert.
Prominente Widerstandskämpfer wie Dietrich Bonhoeffer und Admiral Wilhelm Canaris wurden am 9. April 1945 kurz vor der Befreiung des Lagers hingerichtet. Tausende Menschen kamen noch kurz vor Kriegsende bei der Auflösung des KZ Flossenbürg auf Todesmärschen ums Leben.
Am 23. April 1945 befreiten US-Truppen das völlig überfüllte Lager.
Besonders schockierend war für uns, dass die Häftlinge nur Nummern ohne Namen waren. Vielen von ihnen gibt man heute wieder ihre Namen und damit ihre Geschichte zurück, um an eine Zeit zu erinnern, deren Geschehnisse für uns trotz des Besuchs in Flossenbürg unbegreiflich sind.

Johannes Altmann, Benedikt Köhn und Julius Kauschinger, Klasse 9c

bottom of page